„Schön, dass ihr da seid!“

 

„Welcome!“ – sagte der Mann mit dem warmen Handschlag und den fröhlichen, erfahrenen Augen. Im Lighthouse Welcome Center heiße ich öfters Leute willkommen. Das war aber das erste Mal, dass mir jemand das gewünscht hat.

Es war Winter und durch den Regen war unsere Schicht ein bisschen ruhiger, was auch heißt, mehr Zeit für diejenigen zu haben, die der Regen nicht aufhält. Nach zwei Tagen in München und in der Kaserne hat sich ein älterer Mann nur mit einer Sommerjacke in das kalte Wetter getraut. Durch Neugier und einem Drang zu reden haben wir nähere Bekanntschaft gemacht. Seine Reise nach Deutschland war nicht lang, aber sehr hart und die Sehnsucht nach etwas, was es nicht mehr gibt, war groß. Das war aber für ihn keine Unterhaltung, die er weiter führen wollte. Stattdessen musterte er meine Locken und meine dunklen Augen, die er Deutschland nicht richtig zuordnen konnte. Damit hat er Recht. Geboren in Schweden mit chilenischer Herkunft und mit weniger als 7 Jahren Aufenthalt in Deutschland – das fand er natürlich nicht gerade normal. In meiner Vergangenheit sah er aber Hoffnung und fragte mit großem Enthusiasmus wie ich mich hier willkommen fühle und was er machen müsse, um einen Job zu bekommen. Soweit ich konnte, habe ich ein paar bescheidene Tipps gegeben, auch wenn es mir sehr bewusst ist, dass die Situation anders ist. In seinen Augen waren wir aber gleich. Irgendwann waren wir beide für diese Gesellschaft fremd. Nach meiner Geschichte nahm er meine Hand, drückte sie bestimmt, aber zärtlich und wünschte mich willkommen. „Wir schaffen das!“, meinte er. Wir lachten so herzlich zusammen.

Wir brauchen alle ein Willkommen, weil wir zu unserer Gesellschaft gehören möchten. Und noch ergreifender ist es, wenn die Gesellschaft der Zukunft dich willkommen heißt“

Andrea Sarmiento, ehrenamtliche Mitarbeiterin vom Lighthouse Welcome Center